Dampfer-Story von Andreas – 159

Mein Name ist Andreas, ich bin 52, mache Software und schreibe Bücher. Geraucht habe ich seit ich 14 war und habe schon zigmal versucht, damit aufzuhören. Das 1. Mal 2005 mit „Endlich Nichtraucher“ von Alan Carr. Das hat funktioniert! Ich weinte aber ständig den Havanna Zigarren hinterher, z.B. nach einem guten Essen, bei einem Cognac usw. Die Zigarren wurden mir 1 1/2 Jahre später zum Verhängnis. Ich fing wieder an. Immer wieder habe ich es danach versucht. Auch durch eine Wette mit meiner Frau: „Ich höre auf zu Rauchen. Von dem Geld kaufe ich ein Motorrad“. Am Ende war ich ein heimlich rauchender Motorradfahrer… das war übel.

Nikotinkaugummis, pfui, bah. Die brannten im Mund und meinem Umfeld ging das ständige Herumgekaue auf den Wecker. Sogar Champix, die „Nichtraucherpille“ habe ich versucht. Ein sehr übles Zeugs. Es blockiert die Nikotinrezeptoren im Hirn und die Kippe schmeckt nicht mehr. Allerdings verändert es das Träumen und macht depressiv. Finger Weg, sage ich jedem!!! Es ist kein Wunder, dass die Pharmaindustrie die E-Zigarette bekämpft, wenn sie uns so einen teuren und gefährlichen Dreck verkaufen will. Rauchen mag tödlich sein, der Suizid als Nebenwirkung durch ein solches „Medikament“ leider aber auch.

Also habe ich weiter geraucht… Ich habe es auch zu dieser Zeit schon mit der E-Zigarette versucht, doch meine Lunge war schon geschädigt und ich musste vom Dampf sehr stark husten. Somit konnte ich nicht richtig inhalieren und die E-Zigarette hatte keine richtige Chance. Aber so langsam musste ich mir eingestehen, dass das nicht mehr geht. Der Raucherhusten wurden immer, immer schlimmer. Atemnot kam dazu, ein spätes Asthma. Ältere Bekannte erkrankten an COPD und andere, die kurz davor waren, haben mit der E-Zigarette noch die Kurve gekriegt und der Lungenarzt freut sich. Ich bemerkte öfter, dass ich auch außerhalb der Allergiesaison schlecht Luft bekam. Mein Lebensührchen begann lauter und schneller zu ticken.

Im Februar 2018 versuchte ich es erneut. Der Monat war kalt, sehr kalt, und ich saß als hustender Elendshaufen auf der Terrasse bei -8 Grad und pfiff mir die ersten 4 Zigaretten des Tages in 20 Minuten rein. So weit war ich. Der erste Weg des Tages führte mich nach draußen, um 3-4 Zigaretten zu rauchen und (natürlich) einen Kaffee dabei zu trinken, zitternd vor Kälte. Nein, das ging nicht mehr. Ich habe es dann mit Nikotinpflastern und Spray versucht. Das Spray nutzte ich nur in Krisensituationen und zu Anfang immer Morgens. Das funktionierte, denn der Wille aufzuhören war ja wirklich da. Die Entzugserscheinungen waren erträglich. Drei Monate sollte das ganze dauern, die Pflaster wurden herunter dosiert und mein Gesundheitszustand hatte sich schon merklich gebessert. Und dann fing das Problem an.

Entzugserscheinungen hatte ich immer noch keine, aber ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Meine Arbeit als Softwareentwickler erfordert ein hohes Maß an Konzentration und mir kam das nun vor, als würde ich jeden Tag eine Mathearbeit schreiben, für die ich nicht gelernt hatte. So ging das nicht weiter. Ich wusste eigentlich ja schon, dass ich ADHS habe (das zu meinen Kindertagen noch nicht so bezeichnet wurde). Und mit dem Nikotin aus der Zigarette habe ich mich quasi selbst therapiert, denn das Nikotin setzt Dopamin im Gehirn frei. Das ermöglicht es, sich wieder zu konzentrieren. Auch Menschen, die kein ADHS haben, bemerken das. Also, was nun? Soll ich Ritalin nehmen, wie hyperaktive Kinder? Ich bin in einen E-Zigarettenladen und habe mich beraten lassen. Da die „Kippe“ nun schon über 3 Monate Vergangenheit war, bin ich direkt auf „Direct Lung“ umgestiegen mit einem iStick Pico und einem Melo 3. Der Verkäufer hat mir DL direkt im Laden „beigebracht“. Und dann?

Ich kann mich konzentrieren wie zu meinen Raucherzeiten, brauche aber keine Raucherpausen mehr, weil ich das direkt am Schreibtisch machen kann. Der Fokus geht nun zu mehr Geschmack. Ich spare eine Menge Geld (bis zu 200 Euro pro Monat). Allerdings besitze ich nun schon 5 „Dampfen“ und ich fürchte, das werden noch mehr.

Das „Vapen“ macht mich glücklich und zufrieden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Meine Frau, ewige Nichtraucherin mit einer sehr empfindlichen Nase wedelt das nach Kuchen riechende Liquid zu sich, weil sie das Aroma liebt, während sie es sehr zu schätzen weiß, dass ich nicht mehr nach Aschenbecher stinke. Und im Biergarten versuche ich einen Platz weit weg von Rauchern zu finden, weil ich den Geruch nicht mehr mag.

Besonders freut es mich, schon mindestens zwei Raucher „bekehrt“ zu haben, darunter meinen Sohn. Ich habe mich intensiv mit dem Thema „Gesundheit und Dampfen“ beschäftigt und es erschreckt mich, wie Politik und Presse in vielen Ländern damit umgehen. Die Umsetzung der TPD2 in Deutschland habe ich nicht miterlebt, sondern bin sozusagen mit 10 ml Fläschchen aufgewachsen. Ich wünsche mir, dass das Dampfen nicht weiter „reguliert“ wird, denn wir sollten den Umstieg so leicht wir möglich haben, damit möglichst viele Raucher zu Nichtrauchern werden.

Wieder Zigaretten zu rauchen, kann ich mir nicht vorstellen. Ich bete dafür, durch die Politik nicht dazu gezwungen zu werden. Auch wenn der „Suchtdruck“ deutlich geringer geworden ist, werde ich doch ewig am Nikotin „hängen“.
Vape on!

Herdecke, 15.11.2018