Story von Ralf S. (147)

Hallo Mitleser,

ich bin Dampfer und erzähle meine Geschichte, warum ich anfing zu rauchen und wie ich später durch Dampfen Nichtraucher wurde oder ’nicht mehr rauche‘, oder was auch immer.

1973
Ich bin hörend auf die Welt gekommen. Durch eine Meningitis-Erkrankung bin ich im Alter von 3 Jahren restlos ertaubt.
Mit 5 Jahren haben meine Eltern einen „richtigen“ Kindergarten für mich gefunden – nämlich einen speziell für taube und schwerhörige Menschen.
Dieser Kindergarten liegt nicht um die Ecke oder in der selben Stadt meines Elternhauses, sondern 65 km weiter entfernt.
Das beste war, mich ins Internat schicken, daheim bin ich an Wochenenden oder in den Ferien.
Sonntagabends bzw. Freitagmittags werde ich mit dem Bus hin- und zurück gebracht. Die Fahrt dauerte ca. 2 Std.; der Bus fährt nicht auf der Autobahn durch, sondern hält noch an ca. 15 „Sammelstellen“ an und holt bzw. bringt noch zw. 20-30 Kinder/Schüler/Jugendliche.

Als ich 11 oder 12 war, bekamen wir endlich eine Wertmarke, wo man mit dem Zug im Umkreis von 50 km ab Wohnort kostenlos fahren kann.
Der Zug fährt ca. 50 Minuten und genau deswegen fahre ich nicht mehr mit dem Bus!
Mit 12 allein…? Viele taube und schwerhörige Schüler/Jugendliche haben auch „ade“ zum Bus gebärdet und wir sind immer mit 3-15 Leuten zusammen am Sonntagabend hin und Freitagmittags zurück gefahren.
Mit dem Zug fahren nur die „Großen“ (zwischen 12 – 18 Jahren) und die kleinen weiterhin mit dem Bus.

Raucherabteil oder Nichtraucherabteil?

Ich ging nach rechts, also ins Nichtraucherabteil. Im Laufe der Zeit erfahre ich öfters, was alles im Raucherabteil passiert bzw. angestellt wurde. Irgendwann saßen wir „Kleineren“ dann auch mit im Raucherabteil, um die „Erlebnisse“ nicht zu verpassen.
Eines Tages war ich als einziger der Kleine (14) und bin auch dort als einziger Nichtraucher… „Bitte Zigarette geb“ gebärdete ich.. „ich rauch‘ kann!“ protzte ich dazu.
Gut, richtiger Raucher bin ich nicht geworden, erst ab 15 fängt es richtig an. Ich war irgendwie stolz und „groß“ und gehörte bald zu den „Bad Boys“. Mit 16 geht es nicht mehr ‚ohne‘.
Irgendwann komme ich auf die 20-30 Stück am Tag an.

Ich habe meine Frau (hörend, die schon gebärdensprachkompetent war) kennengelernt, sie ist nur Gelegenheitsraucherin und raucht 0-2 Zigaretten, nur am Abend. Ein paar Jahre später kam unser 1. Mädchen auf der Welt. Ein Jahr später kauften wir uns ein Haus. Einige Jahre wieder ein zweites Mädchen. Ich rauche einfach zu viel und ohne Unterbrechung zw. 20-30 Selbstgestopfte am Tag.

Irgendwann spürte ich das „Einknicken“ meiner Gesundheit.
Bekomme ich erstmal nur Schnupfen, weiß ich dann, in ein paar Tagen werde ich im Bett legen müssen, heißt: Halsweh, Husten, Gliederschmerzen und Fieber werden immer nachkommen.
Ich rauche bei Husten trotzdem. Natürlich weniger, so um 5 Stück am Tag. Es geht einfach nicht ‚ohne‘. Immer wieder.
Gut und vorbei, wieder gesund.
Im Jahr werde ich ca. 5-7 mal krank. „Ich habe jetzt Halsweh – alles klar, ich kann meinem Arbeitgeber schon mal im Voraus Bescheid sagen, dass ich mich übermorgen für eine oder zwei Wochen krankmelde“ kam mein Gedanke … es geschieht tatsächlich auch so.
Mein „Lieblingsmedikament“ von meinem Hausarzt sind Antibiotika. Irgendwann fängt dann mein ab und zu „bellen“ an. Das morgendliche Abhusten kommt eines Tages dazu. Bald hört sich mein Husten nicht mehr normal an.
Die Zeit ist gekommen.

Meine Frau sagt dann immer wieder, dass ich damit einfach aufhören soll. Sie flüsterte meinen Kindern, dass der Papa stinkt und dass Rauchen nicht gesund ist.
Direkt nach dem Abendessen gehe ich wie immer raus zum Rauchen, dann kommt der Rest (Abräumen, Abwasch, etc.) Auf dem Weg nach draußen kommen meine Kinder schnell hinterher, überholen mich und blockieren im Flur meinen Weg nach draußen.
Luana (damals 5) sperrt den Weg mit ausgestreckten Armen und Beinen, Lisabeth (1) klammert sich an meinem Bein fest. Sie haben mich lieb und lächelnd angeguckt und gebärdeten mit so kleinen Händen „Bitte bleiben. Nicht raus.“. Ich lächelte mit und kämpfte spielerisch (kitzeln etc.) und habe den Weg frei bekommen.
Nach dem „Genuss“ kam ich zurück ins Haus. Die Kinder weinen. „Oh, was ist passiert“, fragte ich – „Sie haben es nicht geschafft, dich zum Bleiben zu überreden“, antwortete meine Frau enttäuscht.

Nach dem ‚Gute-Nacht-Küssen‘ ging ich in mein Arbeitszimmer und setzte mich hin. Tränen fließen.
„Wir haben das Haus vor kurzem gekauft, die Schulden müssen bis zur Rentneralter abbezahlt werden.“
„Meine Frau und meine Kinder lieben mich und wollen mich noch länger haben.“
Es muss einfach was unternommen werden!

Nikotinpflaster?

Ich wüsste nichts besseres… ich habe gerne geraucht und mir gar nicht einmal Gedanken gemacht, dass ich aufhören soll bzw. muss. Nikotinpflaster wäre für mich naheliegender, als das, was es so gibt.
Gut, dann das! Habe meiner Frau gesagt, wenn sie mal zur Apotheke muss, soll sie es mitbringen.
Aber ich habe gehofft, dass sie es vergisst, ich war mir sicher, ich würde versagen.
Ein.. zwei Wochen noch kein Pflaster da. Entweder war sie noch nicht bei der Apo oder sie denkt, das ist zu blöd! „Wer will – und soll es gefälligst selbst holen, motiviert muss man schon sein oder man kann es eigentlich lassen“, lag meine Vermutung nahe.

Eine Woche später am Montagmorgen auf der Arbeit kam ein Kollege (Raucher) ins Raum, nahm eine „Zigarette“ aus seiner Hemdtasche, steckte ihn in den Mund, zog und pustete „Rauch“ aus, steckte es wieder in die Hemdtasche.
Ich habe richtig gelacht, das war ein ganz toller und lustiger Gag! Weil ich mich gewundert habe, dass seine Hemdtasche nicht brannte und qualmt, obwohl ich die rote „Glut“ gesehen habe, wollte ich dieses Ding mal ansehen. Er gab es mir… ah, aus Plastik.. Wie kommt Rauch raus, ohne Feuer und ohne zu brennen? Er ging dann zum anderen Kollegen… und war dann weg.

Daheim. „Dieses Plastikding… einfach damit „rauchen“ ohne zu stinken und Nikotin?“ fragte ich mich… Auf jeden Fall würde das besser „wirken“ als Nikotinpflaster!
Ab ins Internet! Ich war erstaunt, dass es schon so viele E-Zigaretten gibt, auch verschiedene Modelle! Jaa! Mit denen werde ich es versuchen! Da es verschiedene Modelle gibt und gar keine Ahnung habe, welches ich nehmen soll und welche gut oder schlecht ist, fand ich ein Z-Zigaretten-Forum bzw. Dampfer-Forum und meldete mich an.
4 Tage lang habe ich über die Modell-Typen und Liquids eingelesen, wurde beraten und habe Tipps bekommen.
Starterset mit 2 E-Ziggis, 5x 10ml Fläschchen verschiedene Tabakliquids mit der Nikotinstärke 18mg/ml (= Marlboro-Stärke) für 130 EUR bestellt.
Als das Paket schon am nächsten Tag ankam, habe ich es gleich direkt nach Feierabend ausprobiert.
Ich war aber dann enttäuscht, weil ich erstens richtig husten musste und zweitens das überhaupt nicht nach Tabak schmeckt – alle 5 verschiedene Tabakliquids!
Das Husten hat sich geklärt: In den Liquids sind keine Hustenstiller drin. Nach einem Tag ist das Husten damit erledigt.
Und der undefinierbare Tabakgeschmack? Ja, es schmeckt nur nicht nach etwas Verbranntem. Es schmeckt so wie, wenn man eine volle Zigarettenschachtel öffnet und reinschnuppert.

Das Gute ist, dass ich den Druck auf der Brust/Lunge beim Inhalieren habe – wie ich es mit Marlboro kenne – und nicht „drucklos“ wie, wenn man im kalten Winter die kalte Luft „rauchend“ einatmet und sichtbar wieder ausatmet.
Wenigstens nützt das mir was! Ich versprach mir, nur noch zu dampfen, das Nikotin schrittweise zu reduzieren bis auf null und dann nix mehr.
Ich rauchte tatsächlich nicht mehr, bis ich ins Bett gehe. Am nächsten Morgen Dampfe und Zigaretten eingepackt und ab zur Arbeit. Bis 17.30 Uhr habe ich nur gedampft, also über 24 Std. keine Zigaretten und habe einfach mal eine Zigarette angemacht. Maaann, das ist scheußlich und der Flash (= Druck auf der Brust/Lunge) ist genau dasselbe! Beim Dampfen kommt ein bisschen mehr Dampf raus, als Rauch aus der Zigarette. Nach 3 oder 4 Zügen habe ich den Glimmstängel wieder aus gemacht.
Alles klar, die Zigarette ist somit ersetzt!

Am nächsten Morgen ging ich zu einem anderen Kollegen, der auch stopft: „Bitte schön, das ist für dich, ich schenke es dir.“ und überreiche ihm meine restliche Zigarettenhülsen, restlicher Tabak in der Dose und den Stopfer. „Du rauchst also nicht mehr?“, fragte er erstaunt und bedankte sich.
Anfangs dampfte ich viel, da ich kein „Sattgefühl“ bekam und es gibt keine „Zigarettenlänge“.
Eine Woche später konnte ich in unserer Kantine (wir konnten noch lange nach NiSchG in der Kantine rauchen) den Zigarettenrauch nicht mehr vertragen. Es stinkt so!
Eines Abends habe ich meiner Frau für das Essen extra bedankt, weil das mal so gut geschmeckt hat und fragte, ob sie noch was neues rein getan hat, antwortete sie: „Nein, das ist wie immer das übliche.“
Dann wurde es mir klar: Mein Geruchs- und Geschmackssinn sind wieder aufgeblüht.
Dem Kollegen mit seinem „tollen und lustigen Gag“ – (hatte eine „Ciga-like“, mit dem er das Rauchen trotz Nikotin nicht einstellen konnte) habe ich zu verdanken – nur mit einer einzige „Konsequenz“: Ich habe innerhalb 4 Wochen 10 Kg zugenommen!

Da meine Liquids bald zur Neige gehen, bestellte ich mal Fruchtliquids mit nur 12mg/ml (= Marlboro-Meduim-Stärke).

Manchmal ist das Dampfen nervig….

Akkus müssen aufgeladen werden, Tanks nachfüllen, Verdampferkopf zum Reinigen auseinandernehmen (oder ersetzen), Liquids immer mitschleppen, etc.
Es ist nicht wie: Zigarettenschachtel auf, entnehmen und….
Habe ich meine Ziggis vergessen oder verloren, gehe ich zum nächsten Automaten – und was ist mit der Dampfe? Immer den Bestand checken, Funktionalität prüfen…
Aber, wenn ich daran denke, dass ich kein Tabak mehr rauche, ist gleich alles vergessen!
Kirschliquid habe ich gedampft, Kaffeeliquid, Erdbeer… Nein, das geht bei mir nicht. Im Biergarten gesessen, Bier getrunken und Erdbeerliquid gedampft??
Die Süsskrams habe ich nicht mehr gekauft und die Restlichen verschenkt.

Ca. 1 Jahr später im Sommer…
Nach dem Abendessen wollten meine Kids unbedingt nochmal im Garten Wasserrutschen, im Becken planschen, obwohl es eigentlich Schluss ist. Gut, machen wir das noch kurz, danach noch in die Badewanne, und ab ins Bett. Puh! Setze mich in den Gartenstuhl und ziehe genüsslich an meine Dampfe…. Hmm… Ich dampfe erst jetzt – und nicht ganz direkt nach dem Essen?! Das habe ich nie erlebt! Oder ich war sooo abgelenkt worden?
Ab da habe ich versucht, mal auf mein Körper zu „hören“ bzw. fühlen, was er will – und nicht, wie ich es so all die Jahren gewöhnt bin, direkt nach dem Essen rauchen zu müssen.
Ich muss nicht mehr nach dem Aufstehen, nach dem Frühstück, Mittag- und Abendessen direkt eine dampfen! Es geht auch erst in einer halbe Stunde, nach einer Std. sogar auch!
Mein Suchtdruck ist weg??!

Im Januar haben wir in Südafrika Urlaub gemacht, das erste Mal, wo wir im Winter Sommer hatten.
Dort habe ich zu ersten mal gewagt, meine Dampfe im Haus zu lassen, wenn wir rausgehen bzw. einen Ausflug machen. Das wäre in einem neuen Land einfacher, als im alltäglichem Leben.
Als ich nach 6 Std. wieder zurück bin, habe ich natürlich gleich die Dampfe gegriffen. Aber einen Suchtdruck habe ich nicht wirklich spüren können, habe mich nur gefreut, dass ich wieder dampfen konnte. Ist zu vergleichen, wie jemand, der sich gefreut hat, wieder Schokolade essen zu können, oder Kaffee…
Als Raucher? UNDENKBAR!!!

Auf der Arbeit ist schon mal vorgekommen, dass meine Liquids in der Dampfe am Vormittag leer gegangen ist und wollte nachfüllen. Nix in der Tasche! Zu Hause vergessen!! Ich bekam Panik und habe mich erstmal beruhigt. Halte durch! (Ich könnte ja Liquids im Offlineshop holen, aber die sind nicht meins und sind ausserdem viel zu teuer.) Ich habe, bis ich daheim bin, 7 Std. nichts gedampft und bin gar nicht hibbelig geworden.
Ich bin tatsächlich vom Suchtdruck befreit, bin nicht mehr Tabakabhängig!
Aber ich bin Dampfabhängig? Ich würde das mit ja und nein beantworten.
Ich trinke JEDEN Morgen Kaffee, auch einen am Vormittag und noch einen am Nachmittag, ja jeden Tag.
Ob ich Kaffeeabhängig bin, antworte ich auch mit ja und nein.
Die Geschichte ist nun zu Ende und wie sieht meine Gesundheit nach dem Rauchstopp bzw. nach über 5 Jahren Dampfen aus:

– Innerhalb von 5 Jahren nur 5x krankgeschrieben. Einmal wegen der Grippenwelle, einmal wegen meinem Auge (Bindehautentzündung) und dreimal wegen meiner Kinder!
– Nie mehr Antibiotika!
– Einmal Fieber! (Grippenwelle)
– Kein Husten mehr, kein bellender Husten!
– Kein morgendliches Abhusten und kein Auswurf mehr!
– Wenn Halsweh, dann nur Halsweh, ohne Husten!
– Wenn Schnupfen, dann nur das! (kein Gliederschmerzen, Halsweh, Fieber etc. dazu)
– Geruchs- und Geschmackssinn wie früher als Nichtraucher!
– Treppensteigen durchgehend bis zum 7. Stock ohne Atemnot!
– Kein Gestank, keine Asche, keine Krümel!
– Keine gelben Finger, keine gelben Zähne, keine gelben Wände!
Warum dampfe ich überhaupt noch und sogar mit Nikotin?
Nikotin brauche ich nur, um den inhalierenden Dampf in der Lunge/Bronchien spüren zu können.
Mein Körper selbst braucht das wirklich nicht.
Dampfende Grüße von

Ralf S. alias radelife